Schweden 2001
eine Reise in der Vorsaison
von Donnerstag, 26. April bis Donnerstag, 24. Mai
- Teil 10 -

 

Bei Gesunda fanden wir noch eine alte Horizontalmühle auf einem abgelegenen Gelände, das wir - mangels anderen Interessierten - in aller Ruhe durchstreifen konnten. Auf der Fahrt dorthin sahen wir zwei Elche am Straßenrand. Leider verschwanden sie im Wald, bevor wir unsere Kameras abschussbereit hatten.

Horizontalmühle, Gesunda

Kirchställe an der Kirche von Rättvik

Das Ungewöhnliche an der Kirche von Rättvik sind die 87 Kirchställe aus dem 16. Jahrhundert, in denen früher die Kirchbesucher mit ihren Pferden warmen Unterstand fanden. Wir wunderten uns allerdings darüber, wie klein die Pferde wohl gewesen sein mögen, denn die Ställe sind sehr niedrig und die Eingänge arg klein. Am Strand befinden sich auch die Anlegeplätze für die Kirchboote, mit denen die Gemeindemitglieder bis 1893 an den Sonntagen im Sommer in ihren Trachten zum Gottesdienst kamen. Danach zog man die Kirchboote aus dem Verkehr, heute lebt die Tradition wieder auf.

Brunnen in Rättvik

Nach einem kurzen Rundgang durch den sehenswerten Stadtkern von Falun widmeten wir uns dem dortigen Kupferbergwerk. Hier gibt es eine recht tragische Geschichte zu erzählen: 1677 wurde der Bergmann Fet-Mats im Bergwerk verschüttet. Die Leiche wurde 40 Jahre später von einer alten Frau wieder erkannt, die ihn eindeutig und tränenreich als ihren früheren Verlobten identifizierte: sein Körper war im Kupfer-Vitriol völlig unversehrt geblieben.

Leider konnten wir die Grube nicht besichtigen, da erst am späten Nachmittag wieder Plätze in einer deutschen Führung frei waren. Aber das Museum war geöffnet und die Sammlung zur Industriegeschichte und Technik sehenswert.

Die Grube selbst wird seit dem 13. Jahrhundert betrieben, zunächst ohne jede Vorsicht und Planung. Zwar war die Arbeit in der Grube gefährlich, aber auch die einzige Möglichkeit weit und breit, für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Schließlich kam es - nach einigen kleinen Einstürzen - zur großen Katastrophe. 

Insgesamt eine halbe Million Tonnen Kupfer wurden bisher abgebaut. Heute jedoch vorwiegend Eisen- und Schwefelkies, wichtige Inhaltsstoffe des rostroten Falun-Rots. Inzwischen sind die falunroten Höfe und Häuser mit weißgestrichenen Ecken und Fenstern zum Kennzeichen schwedischer Kulturlandschaft geworden.

Ein Nebenprodukt des Kupferabbaus ist die falukorv - eine Fleischwurst, die auf deutschen Einfluss zurückzuführen ist. Deutsche Arbeiter schlugen vor, das Erz mit kräftigen Seilen an die Oberfläche zu holen. Die Seile wurden aus der Haut von Ochsen hergestellt, die man in Smaland kaufte, bis nach Falun trieb und dort schlachtete. Pro Grubenseil benötigte man ca. 200 Häute, so dass ein riesiger Fleischberg die Folge war. Die Deutschen konservierten das Fleisch und begründeten damit die Tradition der falukorv-Herstellung - noch heute ein namensgeschütztes Produkt.

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